In Sachen Kampfmittelbelastung kommt Oranienburg bundesweit eine Sonderstellung zu. Unter unseren Füßen werden noch rund 300 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Viele davon sind mit einem chemischen Langzeitzünder ausgestattet und könnten jederzeit selbst detonieren. Die meisten Oranienburger leben schon seit ihren Kindheitstagen mit dieser Gefahr. Wir haben da schon eine gewisse Routine, sollte eine Bombe gefunden und unschädlich gemacht werden. Spätestens, wenn die Sirenen ertönen, gehen wir wieder unserem Alltag nach. Jedoch kenne ich niemanden, der diese explosive Gefahr in unserer Erde verharmlost.

Im Jahr 1997 wurde zum Beispiel eine Bombe direkt unter dem Fahrradständer meiner ehemaligen Schule gefunden und weitere in unmittelbarer Nähe zu den Schulstandorten. Eine davon konnte damals nicht entschärft werden. 17.000 Menschen mussten bis in die Nachtstunden ausharren. Erst weit nach 22 Uhr gab es einen lauten Knall, dicht gefolgt von der Erschütterung im Boden, die noch bis in den letzten Winkel Oranienburgs zu spüren war. In den darauffolgenden Tagen lagen dann überall die Reste der Strohdämmung auf den Straßen verteilt, die Fensterscheiben einiger Gebäude waren durch die Druckwelle zerborsten und im gesamten Innenstadtgebiet konnte man kleine bis mittelgroße Bombensplitter aus verkrustetem Metall aufsammeln. Für mich und für viele Oranienburger war das so ein einprägsames Ereignis.

Unterstützung des Bundes bei der Bewältigung der Bombenlast notwendig
 

Im schlimmsten Fall löst die Erschütterung im Boden eine Folgedetonation aus. Die Sprengmeister vom Kampfmittelbeseitigungsdienst berichten uns bereits, dass die Bomben mit chemischem Langzeitzünder bereits sehr labil sind und schon bei kleinsten Erschütterungen selbst detonieren können. Und von diesen Bomben liegen noch Hunderte im Boden. Da gehen wir jeden Tag drüber. Das sind Orte, die wir kennen. Das ist die Schule, der Kindergarten, das sind Straßen, die wir andauernd benutzen. Die Bombenlast zu bewältigen, wird leider noch einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Dabei können wir nur systematisch und Schritt für Schritt vorgehen. Das Spyra-Gutachten aus dem Jahr 2008 ist uns eine gute Grundlage. Damit arbeiten wir schon sehr lange sehr erfolgreich.

Dennoch braucht Oranienburg mehr Unterstützung vonseiten des Landes und des Bundes bei der Bewältigung der Bombenlast. In den zurückliegenden Jahren ist hier auf Initiative der CDU-Oranienburg vieles in Bewegung geraten. Der Bund hat einen Hilfsfonds mit 60 Mio. Euro aufgelegt und diesen im zurückliegenden Jahr noch einmal um weitere zwei Jahre verlängert. Besonders belastete Orte wie Oranienburg werden nun stärker von dieser Hilfe profitieren. Auch die kostenintensive systematische Kampfmittelsuche wird ab sofort erstattungsfähig. Darauf haben wir besonderen Wert gelegt. Dass der Bund bei der Bewältigung der Bombenlast auch dauerhaft an Bord bleibt, dafür möchte ich mich als Landtagsabgeordnete einsetzen.

Land muss Kürzungen bei den Leistungen des KMBD wieder zurücknehmen

 
 
Aber auch die Landesregierung muss ihrer Pflicht bei der Gefahrenabwehr nachkommen und die Leistungen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) wieder ausweiten. Vor allem müssen die Herstellung der wasserfreien Bergegruben und die Verdichtung der Bohrlöcher wieder vom Land getragen werden. Es ist nicht nachvollziehbar, dass sich die amtierende Landesregierung bei diesen kostspieligen Arbeiten vollkommen zurückgezogen hat. Das sind mehr als 150.000 Euro je Anomalie, die Oranienburg zusätzlich aufgebürdet bekommen hat. Bei noch 300 vermuteten Bomben im Erdreich entstehen der Havelstadt dadurch Mehrkosten von rund 45 Millionen Euro – Geld, das uns im städtischen Haushalt für den dringenden Ausbau von Straßen, Schulen oder Kitas fehlen wird. Hier möchte ich als Landtagsabgeordnete ansetzen und darauf hinwirken, dass die Kürzungen bei den Leistungen des KMBD wieder zurückgenommen werden.
 
Daneben müssen wir natürlich auch die Suche und die Beseitigung der Bomben beschleunigen. Das geht aber nur, wenn wir alle relevanten Bereiche personell aufstocken – also mehr Sachbearbeiter in den entsprechenden Abteilu ngen der Verwaltung und mehr Personal beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes. Das könnte die ganzen Verfahren zwischen Sondieren, Feststellen und Unschädlichmachen verkürzen. Mit unserer Initiative in der Stadtverordnetenversammlung im Herbst 2018 konnten wir der Landesregierung hier bereits 13 neue Stellen und eine Budgeterhöhung beim KMBD abringen. Die sogenannte „Modellregion“ der Kampfmittelbeseitigung wird seit Jahresbeginn verhandelt und soll noch vor den Landtagswahlen verabschiedet werden.

Die Vorlage 1091/2018 der Stadt Oranienburg - Verstärkter Einsatz für die Kampfmittelsuche