Wie steht es um die Bombenlast in den Gewässern Oranienburgs?

Nicole Walter-Mundt (CDU) sieht erweiterten Handlungsbedarf bei der Bombensuche

11.05.2021, 09:44 Uhr | Oranienburg
Die große Unbekannte: Nicole Walter-Mundt fordert stärkeres Engagement bei der Kampfmittelsuche in den Gewässern der Stadt Oranienburg, Foto: Christian Howe.
Die große Unbekannte: Nicole Walter-Mundt fordert stärkeres Engagement bei der Kampfmittelsuche in den Gewässern der Stadt Oranienburg, Foto: Christian Howe.

In den vergangenen Jahren wurden in Oranienburg gleich mehrere Großbomben in Gewässernähe gefunden und unschädlich gemacht – unter anderem am Insel- sowie am Treidelweg. Die Anomalien im Erdreich konnten zuvor mithilfe alliierter Luftbildaufnahmen lokalisiert und das Gefahrenpotenzial gut abgeschätzt werden. Doch wie ist der aktuelle Stand der Kampfmittelsuche im nahegelegenen Oder-Havel-Kanal, der schnellen Havel oder dem Lehnitzsee und wie schätzt das Land dort die Gefahr durch eventuelle Kampfmittel ein?

In den Gewässern Oranienburgs findet keine systematische Kampfmittelsuche statt

Die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Walter-Mundt hat zu diesen und zu weiteren Fragen beim Innenministerium in Potsdam nachgehakt. Das Antwortschreiben von Minister Michael Stübgen (CDU) zeigt dabei vor allem, dass die Bombenlast in den Gewässern der Stadt Oranienburg zu den großen Unbekannten gehört. So könne hier grundsätzlich keine Luftbildauswertung durchgeführt werden und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA), welches als Bundesbehörde für die Gewässer zuständig ist, beteilige sich nicht an der systematischen Kampfmittelsuche vor Ort, heißt es. Darüber hinaus existiere derzeit kein Geschäftsbesorgungsvertrag mit dem Land Brandenburg, um durch den Kampfmittelräumdienst einzelne Gefahrenbereiche in den Gewässern der Stadt abzuklären. Der Aufwand der Kampfmittelerkundung sei dabei vor allem eines: kostenintensiver und zeitaufwendiger als die Suche und Bergung an Land.

Weltkriegsmunition im Wasser ist genauso gefährlich wie in den Böden an Land

Nicole Walter-Mundt kommentiert: „Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass sich in den Gewässern Oranienburgs noch viele Tonnen alliierter Kampfmittel befinden. Dennoch tappen wir bei der Abklärung von Verdachtsstellen noch zu sehr im Dunkeln. Die Frage, wie wir künftig mit der schlummernden Weltkriegsmunition in unseren Gewässern umgehen wollen, stellt sich dabei vor allem in Oranienburg. Denn hier werden noch viele Großbomben mit chemischem Langzeitzünder vermutet und diese sind unter Wasser nicht weniger gefährlich als unter Land. Im Zuge der anstehenden Auswertung der Modellregion Oranienburg sollten wir diese Fragen nun stärker in den Fokus rücken und darauf drängen, dass in Zusammenarbeit mit dem WSA die Kampfmittelbeseitigung auch in den Gewässern vor Ort zügiger voranschreitet.“

Hochseecontainer sind ein effektives Mittel zur Aufrechterhaltung des Schiffsverkehrs

Ohnehin war das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in der Vergangenheit schon häufig mit an Bord, als es zum Beispiel um die Beseitigung von Kampfmitteln am Treidelweg oder am Inselweg ging. Um den Oder-Havel-Kanal weiterhin schiffbar zu halten, verantwortete das WSA unter anderem die Aufstellung von Containern, was mit erheblichen Kosten verbunden war. Dennoch gilt der flexible Einsatz von Überseecontainern aktuell als effektivste Variante, um die Schutzziele bei der Abklärung von Bombenverdachtspunkten zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit dem WSA stellte sich aus Sicht des KMBD dabei insgesamt als problemlos, konstruktiv und ergebnisorientiert heraus.

aktualisiert von Christian Howe, 11.05.2021, 09:46 Uhr