Ehemaliges Rußwerk: Die Sünden des 20. Jahrhunderts auf einem Fleck

03.03.2019 | Oranienburg
Nicole Walter-Mundt informiert sich bei René Walther (Takeda GmbH) über die Altlastensituation auf dem ehemaligen Rußwerkgelände. Foto: Christian Howe
Nicole Walter-Mundt informiert sich bei René Walther (Takeda GmbH) über die Altlastensituation auf dem ehemaligen Rußwerkgelände. Foto: Christian Howe

Während eines Vor-Ort-Termins bei der Takeda GmbH in Oranienburg am Freitag, hat sich CDU-Landtagskandidatin Nicole Walter-Mundt über den Fortschritt bei der Altlastenbeseitigung auf dem ehemaligen Rußwerkgelände informiert. Nach Aussagen der Werksleitung gehe es mit den Sanierungsarbeiten und der Dekontamination des Grundwassers gut voran. Auch die beiden verbliebenen Bombenverdachtspunkte im Erdreich sollen in der zweiten Jahreshälfte 2019 beseitigt werden.

Nicole Walter-Mundt sagt: „Auf dem ehemaligen Rußwerksgelände konzentrieren sich die Sünden des 20. Jahrhunderts auf einem Fleck. Boden und Grundwasser sind mit verschiedenen Giftstoffen kontaminiert. Der Geigerzähler zur Messung von Radioaktivität schlägt hier besonders hoch aus. Dazu schlummern in der verseuchten Erde noch mindestens zwei Weltkriegsbomben, die wir vor Ort dann hoffentlich nicht werden sprengen müssen. Wenn unsere Kinder und Jugendlichen nun also jeden Freitag für mehr Klima- und Umweltschutz auf die Straße gehen, dann prangern sie genau solche Umweltsünden ihrer Eltern- und Großelterngeneration an.“

Im Jahr 1999 hatte man auf dem Gelände des ehemaligen Rußwerks mit Grundwassermessungen begonnen und in etwa 30 Meter Tiefe eine dunkelbraune Blase mit einem gefährlichen Schadstoffcocktail entdeckt. Seit 2004 wird das Grundwasser auf dem Gelände von dem benachbarten Pharmakonzern, heute Takeda, gereinigt. Eine Filteranlage soll dabei das Abströmen giftiger Stoffe in die benachbarte Havel verhindern.

Laut Aussagen der Werksleitung stehe die Grundwassersanierung nun kurz vor dem Abschluss. Dennoch solle die Anlage auch künftig weiterlaufen, um die Wasserqualität der benachbarten Havel langfristig zu sichern. Rund 300.000 Euro koste der Betrieb dieser Anlage im Jahr. Laut einer Freistellungsvereinbarung mit Takeda, die im Jahr 2023 ausläuft, werden die Sanierungskosten zu 90 Prozent durch die öffentliche Hand getragen. Ob es eine Folgevereinbarung gebe, sei bislang völlig offen. Das Umweltministerium des Landes Brandenburg (MLUL) habe aber vor kurzem bereits die Abschaltung der Filteranlagen testweise angeordnet, um die Auswirkungen auf die Wasserqualität der Havel besser abschätzen und um mittelfristig Kosten einsparen zu können.

aktualisiert von Christian Howe, 04.03.2019, 14:59 Uhr